Sonntag, 25. März 2007
Mein Leben in Port Moresby, wie ich wohne und vieles mehr
Endlich gibts Neues. So wohne ich, so lebe ich und so schauts rundherum aus.
Meine Wohnung liegt mitten in Down Town, was aber, wie die Bilder weiter unten zeigen werden, nicht unbedingt heisst, dass Verkehrsgewimmel und hektisches Geschäftsleben herrschen. Meist habe ich es, abgesehen vom Payday angenehm ruhig, mit Blick auf den Hafen und die ganze Bucht. Payday ist allerdings ein besonderes Kapitel. Die meisten Menschen hier bekommen ihr Geld im 14-Tage Rhythmus und viele versaufen es umgehend wieder. Oder investieren in Betelnüsse und andere Drogen, oder alles zusammen. An so einem Tag geht man nach Einbruch der Dunkelheit nur noch ungern ausser Haus.
Am Payday gibts überall Menschenansammlungen: Bank, Supermarkt, Tankstelle und Easypay. Letzteres ist der Schalter, an dem man den Strom kaufen kann. Funktioniert so aehnlich wie bei uns die Wertkartenhandys.
Ein paar Fotos sind mir wohl durcheinander geraten. Drum seht ihr hier die ersten Menschen, denen ich begegnet bin: Brother Anthony, ein Schweizer, Sister Mary und Brother Jacobus.
dies und das
Überhaupt kann man in POM fast alles kaufen, was man so braucht. Und die Chinesen sorgen dafür, dass man auch das kriegt, was man nicht braucht. Billige Massenware und Ramsch, aber unschätzbar, wenn man, so wie ich, einen Haushalt einzurichten hat. Ich improvisiere zwar schon ziemlich gut aber ohne die Chinesen wäre ich wahrscheinlich schon pleite. Ich hab trotzdem keine Freude mit ihnen. Sind sehr oft üble Geschäftemacher, die sich einen Dreck um Umwelt oder Kultur oder Nachhaltigkeit etc. scheren. Na ja, leider stehen ihnen viele einheimische Politiker in diesem Punkt oft nicht nach. Korruption ist schon ein grosses Kernthema.
Im Juni und Juli wirds Wahlen geben. Dann wirds wohl so richtig rund gehen. Für den Fall, dass dann das Weggehen schwierig wird, hab ich aber immerhin ein gepflegtes, angenehmes zuhause inklusive Pool.Und bewacht werde ich auch Tag und Nacht.
Vielleicht ein paar Worte zum Thema Sicherheit: POM hat ja wohl den schlechtesten Ruf,den man als Stadt überhaupt haben kann. Aber glücklicherweise ist alles aus der Nähe betrachtet halb so wild. Inzwischen kann ich mich schon recht sicher bewegen. Man findet schon bald heraus, was sicher ist, und was nicht. Und bisher hat das sehr gut funktioniert. Mir ist jedenfalls bis heute absolut nix unangenehmes passiert. Oft ist die Angst, die einem eingeredet wird, schlimer als die Realität. Zum Beispiel die Alarmanlage, die in meiner Wohnung installiert ist. Ich schalte sie nie ein, aus einem einfachen Grund: wenn ich mitten in der Nacht aufs Klo muss, sollte ich einen vierstelligen Zahlencode eingeben (was um diese Zeit ein unüberwindliche intellektuelle Hürde für mich bedeutet), denn sonst glaubt das Ding ich bin ein Einbrecher und legt los und ich krieg die Panik.
Wohnen
Eigentlich wohne ich recht luxuriös. Zwei Schlafzimmer, offene Kombination aus Küche, Wohn- und Esszimmer, schönes Bad, alles voll eingerichtet, Terrasse, Aussicht, Garten, alles da, was ein kleiner Entwicklungshelfer so braucht. Eigentlich musste ich nur Geschirr, Bettwäsche und eine kleine Musikanlage kaufen. Aber der Hammer ist der Preis, den die Bischofskonferenz dafür hinblättert: 850 Kina pro Woche (dividiert durch 4 gibt ca. 212 Euro). Das ist schon saftig in einem Land, in dem der gesetzliche Mindestlohn bei 75 Kina per fortnight (also für zwei Wochen Arbeit) liegt. Natürlich werden solche Wohnungen kaum von Privaten angemietet.
Die andere Seite sind die Settlements. Die ständige Zuwanderung vom Land, Menschen erwarten sich Arbeit und Geld, beides oft vergeblich. Im Grunde sind das illegale Besiedlungen, es werden einfach irgendwo, wo grade Platz ist, die Bäume gefällt und Hütten aus Buschmaterial, Wellblech und allen möglichen Materialien gebaut. „Traiim tasol“ – einfach probieren, heisst die Devise. Manchmal werden sie wieder vertrieben, aber sehr oft entstehen so neue Viertel, die irgendwann plötzlich zur Stadt gehören. Leider hab ich noch kein Foto. Hatte bisher zuviel Schiß, da hinein zu gehen und dann auch noch die Kamera rauszuholen.
Essen und Trinken
Ich esse mehr Obst und Gemüse als jemals zu vor in meinem Leben. Ich trinke ganz wenig Alkohol und vertrage daher auch überhaupt nix mehr. Die Folgen sind sehr angenehm: mein kleines Weihnachtskekswamperl ist verschwunden und meine Fingernägel wachsen gut und kräftig. Ich schlafe viel und gut und schaue so gesund aus wie ich mich fühle.
Ein paar kleine Wermutstropfen gibts natürlich schon: es gibt keine richtig gute Schokolade, Bier geht so einigermassen, Wein kommt aus Australien ist teuer und nicht aufregend. Leider hier nicht zu kriegen ist Kernöl (damit hatte ich gerechnet) und guter Käse (Cheddar ist ein trauriger Ersatz und hat daher bei mir Kühlschrankverbot).
Sehr erstaunlich: das Wasser aus der Leitung ist ohne Vorbehandlung trinkbar. Ich habe es in POM, Kiunga, Mount Hagen, Lae und Madang (alle Städte, die ich bisher besucht habe) getrunken und bin nach wie vor gesund.
Arbeiten in POM
Die Menschen in POM sind eine bunte Mischung aus allen möglichen Ethnien PNG’s und Expatriates. Inzwischen kann ich einen Highlander schon ganz leicht von einem Bougainvillian oder einem Küstenbewohner unterscheiden. Wenn man länger hier ist, kann man anscheinend ziemlich genau die Provinz erraten, weil die Leute ganz unterschiedlich aussehen. Leider sind die feschen nach wie vor in der Minderheit.
Auch unter den Expats hat sich noch kein herausragendes Exemplar sehen lassen. Aber das macht nix. Hab sowieso zur Zeit keinerlei Interesse...
Inzwischen stecke ich schon voll in der Arbeit. Oder zumindest in dem Teil, den ich bereits verstehe.
Habe, zum Schrecken der anderen Verkehrsteilnehmer, ein Dienstauto. Das Fahren auf der linken Seite ist seit der zweiten Woche nur noch gelegentlich lebensgefährlich (besonders für die anderen). Nette Kollegen und einen angenehmen Arbeitsplatz
Arbeitskollegen und mehr
Meine Bischöfe sind sehr verschieden. Eine genauere Stellungnahme dazu habe ich Euch ins Email geschrieben. Die Anzahl der Bypässe in den bischöfichen Brustkörben ist beeindruckend.
Meine Kollegen sind Robert, der Programmkoordinator und Lorena, die Programmassistentin.Mit beiden verstehe ich mich sehr gut. Lorena kommt aus Honduras und ersetzt mir zumindest zu einem Teil meine besten Freundinnen und Freunde, die ich inzwischen schon sehr vermisse. Statt Ottergrotter mit Ilse gibts South Pacific Lager mit Lorena, statt Grüve mit Monika gibts Tonic mit Lorena, statt Kaffeplauscherl mit Claudia gibts kaltes Wasser mit Lorena, statt Cevap mit Jessie gibts Obstsalat mit Lorena, statt chinesischen Filmen mit Christine gibts einmal pro Monat Hollywoodschund im PNG Art Center mit .... (die Liste ist einfach viel zu lang um von einer einzigen Person bewältigt zu werden.) Und in Wahrheit sind alle obengenannten und alle nichtgenannten daheim unersetzlich. Auch wenn’s ein echter Wahnsinn ist, so weit zu fliegen. Besucht mich! Ich vermisse Euch !!!
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