Freitag, 15. August 2008

Erfolgreiches Scheitern am Mount Wilhelm, 4509m

Der Mt. Wilhelm ist der hoechste Berg in Papua Neuguinea, und genau den wollte ich letztes Wochenende ersteigen. Die Seilschaft bestand aus 4 OesterreicherInnen (Kollegin Margarete, ihre zwei Besucher aus Oesterreich und ich) und 2 Niuginis (Sister Pauline und der junge Paul) plus 2 Bergfuehrern, damit wir nicht verloren gehen.

Paul, Bergfueher Joe und John und meine Wenigkeit
Zuerst musste ich von Port Moresby, das ja bekanntlich an der Kueste liegt, nach Mount Hagen ins Hochland auf 1700 m fliegen. Auf dieser Hoehe fand die erste Akklimatisierungsphase und Uebernachtung statt. Dann ging es mit dem PMV (public motor vehicle = Kleinbus) weiter nach Kundiawa, der Hauptstadt der Chimbu Provinz. Waehrend wir auf die Weiterfahrt warteten, durften wir Zeugen eines Kampfes am Markt zwischen zwei verfeindeten Clans werden, bei dem anscheinend 2 Maenner schwer verletzt wurden. Erstaunlich wenig, wo doch mindesten 100 Maenner mit Holzpruegeln und Steinen wirr durcheinandergelaufen sind. Wir hatten innerhalb der Umzaeunung des Provinzregierungsgebaeudes quasi einen Logenplatz mit guter Aussicht auf den Markt. Allerdings verursachte dieser Zwischenfall eine Wartezeit von 4 Stunden bis uns Detective Wellis von der Drogenfahndung endlich mit dem Landcruiser der Polizei abholen konnte. Er war ja beschaeftigt gewesen.
Nun gings also drei Stunden lang auf einer wilden Bergstrasse hinauf zu unserem nachsten Ubernachtungs- und Aklimatisierungspunkt, Betty´s Lodge, die auf 2800 m liegt. Der Weg fuehrte durch eine wunderschoene Berglandschaft.

Hier wachsen auch in grossen Hoehen noch alle moeglichen Obst- und Gemuesesorten, die auf unglaublich steilen Haengen angebaut werden.

Die Strasse, die uns einige Male ganz schoen zu schaffen machte (einmal hat sich das ganze Ding sogar im Schlamm selbstaendig gemacht und quergestellt) und die Passagiere auf der Ladeflaeche buchstaeblich schwindlig gebeutelt hat, fuehrte uns vorbei an vielen kleinen Doerfern.

Am Strassenrand gab es ab und zu mal was essbares zu kaufen, und bei einem Mumu (in einem Erdloch mit heissen Steinen gegartes Schweinefleisch) konnten meine ReisebegleiterInnen dann nicht mehr widerstehen.
Schliesslich erreichten wir Betty´s Lodge, wo wir zum Abendessen Forelle aus der Hauseigenen Zucht serviert bekamen. Mein erster Suesswasserfisch seit eineinhalb Jahren! Sehr lecker!
Am nachsten morgen den Rucksack umgeschnallt und los, hinauf zum Basecamp auf 3500 m. Ich weiss nicht, ob es die duenne Luft oder meine mangelnde Fitness war, die mich kurz vor dem Ziel Sternchen sehen liess, aber nach einer kleinen Pause und ein paar Keksen gings dann wieder und wir sind alle wohlbehalten im Basecamp angekommen.

Die Schoenheit der Landschaft war die Muehe auf jeden Fall wert. Das Basecamp liegt an einem von zwei Seen, die von den Einheimischen als Mann und Frau betrachtet werden (natuerlich ist er Mann der obere See). Von dort hat man eine atemberaubend schoene Aussicht ueber die Berge des Hochlands.

Um unsere Koerper fuer den morgigen Aufstieg auf den Gipfel vorzubereiten, gingen wir nach einer laengeren Pause ohne Gepaeck noch weiter hinauf zum zweiten See auf ca. 3700 m. Bis hierher schaffte es noch die ganze Gruppe. Danach wieder Abstieg zum Basecamp.
Bevor wir schlafen gingen, bereiteten wir 3, die wir planten den Gipfel zu stuermen, gewissenhaft unsere Ausruestung vor. Stirnlampen, Handschuhe, Notfallmedikamente, etc. Da wir um 1 Uhr nachts losgehen mussten, gingen wir bei Einbruch der Nacht um halb sieben Uhr schon schlafen. Doch dann wurde es kalt, so kalt wie es mir noch nie in meinem Leben war, obwohl ich 4 paar Socken, 3 Hosen, 4 Schichten Leiberl und Pullover und ein Kopftuch anhatte, und meinen Schlafsack natuerlich. Keine Chance auch nur eine Minute zu schlafen. Als der Wecker um 0:45 laeutete, war ich fix und fertig und musste leider auf den Aufstieg verzichten. Ich haette die Gruppe nur aufgehalten und haette sicher irgendwann umkehren muessen.
Aber trotzdem war es einfach herrlich, und schliesslich bin ich hoeher hinausgekommen als jemals zuvor in meinem Leben. Also trotzdem ein voller Erfolg.
Am Nachmittag dann wieder Abstieg zu Bettys Lodge, noch eine Forelle, Ubernachtung und wieder 3 Stunden ueber Stock und Stein hinuntergerumpelt nach Kundiawa.

Dort wieder in einen Bus, unterwegs eine Reifenpanne (sehr beeindruckend!) und zurueck nach Mount Hagen. Den fuer den nachsten Morgen geplanten Rueckflug nach Port Moresby musste ich leider um einen Tag verschieben, da mich Montezumas Rache in einer nie dagewesenen Weise ereilte und die Sanitaeranlagen am Flughafen seit Ewigkeiten ausser Betrieb sind. Da aber am naechsten Tag die Erhebnisse der Regionalwahlen bekanntgegebn wurden, kam es mal wieder zu einer Schiesserei in der Stadt und der Flughafen wurde geschlossen. Also noch einen Tag laenger bleiben und am Donnerstag konnte ich endlich wieder in meine eigenen vier Waende, frische Kleidung anziehen und feste Nahrung zu mir nehmen und bei mir behalten.
Jetzt ist alles wieder beim Alten und ich wieder sehr zufrieden mit mir und der Welt.