Samstag, 17. November 2007
Zum Geburtstag einen Bloooohhhooog, ...
Nach einer etwas längeren Pause melde ich mich wieder zurück mit ein paar Geschichten vom anderen Ende der Welt. Diesmal bunt gemischt Lustiges und Ernstes. Das Schreiben ist gerade heute eine recht schwierige Aufgabe, weil ich noch dabei bin, mich von meiner kleinen Geburtstagsfeier zu erholen. Ein paar Bierchen haben genügt um mich heute auf Zeitlupengeschwindigkeit herunterzubremsen. Drum bitte nicht so streng sein mit meinem Geschreibsel.
Das Hinterland von Port Moresby (Sogeri)
Der Tag ist wie geschaffen zum zu hause bleiben. Seit einer Woche hängt ein Zyklon über uns und es regnet schon den sechsten Tag ununterbrochen. Nächtlicher Kälterekord 25 Grad Celsius. Ich trage Socken, schlafe mit einem Leiberl und trinke heissen Tee. Alles ist relativ! ;-)
Dass es diesmal so lange keine Neuigkeiten auf dem Blog gegeben hat, lag hauptsächlich daran, dass zuviel passiert ist und ich einfach überhaupt keine Zeit für irgendwas hatte. Aber die stressige Zeit ist jetzt überstanden und die nächsten Wochen bis Weihnachten werden etwas geruhsamer über die Bühne gehen. Diese Geruhsamkeit ist nur zum Teil beabsichtigt. Ein wichtiger Teil des Programms wurde von der Geberorganisation kurzerhand suspendiert, weil die der Ansicht sind, wir verkaufen unter dem Titel Mentoring eigentlich etwas anderes, was nicht im Projekt vorgesehen war. Und ausserdem reisen wir (ich?) zu viel. Na ja, ich will die ganze unerfreuliche Geschichte hier nicht noch einmal breittreten. Nur soviel sei gesagt, dass ich mit meinem Counterpart Robert ordentlich im Clinch gelegen bin und schon gründlich die Nase voll hatte. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, die Stimmung im Büro bessert sich auch langsam und ich habe vorerst beschlossen, nun doch nicht wie der Vercingetorix dem Cäsar die Waffen vor die Füsse zu schmeissen (siehe Asterix bei den Römern – glaub ich).
Mitverantwortlich für die - im Gegensatz zum Wetter - sich klärende Büroatmosphäre sind die letzten zwei Veranstaltungen, die ich gestaltet und moderiert habe.
Gestern und vorgestern hatte ich die Ehre, eine Schulung über Logframe (für nicht-Insider, das ist ein Projektplanungsinstrument) abhalten zu dürfen. Die Leiter der diversen katholischen Commissions, wie Bildung, Caritas, HIV-Aids, Gesundheit, Family Life Apostolate, sowie mein spezieller Liebling Robert und unsere Project Officer von Caritas Australien, Maryanne (g’scheite Frau, kommt von Bougainville) haben zwei Tage lang brav die Schulbank gedrückt und meinen Ausführungen gelauscht. Alles ist gut gelaufen und als ich am Schluss die Rückmeldung „zum ersten mal war das Meeting nicht fad“ bekommen habe, hab ich mich natürlich sehr darüber gefreut.
Eine Übung fürs Teambuilding „Blinde führen“
Davor gabs eine Klausur für alle Angestellten der Katholischen Bischofskonferenz, bei der es um Vision, Mission, Teambuilding und ein Mitarbeiterhandbuch ging. Da mein Robertl ja meist nicht einmal das Programm durchliest, musste ich die Moderation fast ausschliesslich allein machen. So ärgerlich das einerseits ist, hat es doch andererseits zur Folge, dass alles glatt gegangen ist, die Ergebnisse erzielt wurden, die geplant waren, und ich mir guten Gewissens auf die Schulter klopfen kann. Na und zum Lernen zwingen kann ich den guten Mann ja schliesslich nicht. Obwohl ich manchmal Lust dazu hätte...
Robert beim fiktiven Interview mit (vlnr) William, der Handwerker, Vero, die Immobilienmanagerin, Fredy, der Putzmann und liebster männlicher Kollege, und Joe, der Buchhalter. Als Mikrofon dient mein Moskitorepellent ;-)
Jedenfalls sind jetzt alle voll begeistert von mir, und so macht das Arbeiten auch wieder mehr Spass, wenn auch der Wermutstropfen bleibt, dass meine Kollegin Lorena nach Fidschi ausgewandert ist. Werd sie wohl irgendwann mal dort besuchen müssen. Auch nicht schlecht.
Diesmal wars für mich in mehrfacher Hinsicht spannend, denn ich hatte die Aufgabe, einen Tag der Psychohygiene zu gestalten. Nun bin ich ja auch keine gelernte Psychotante, aber irgendwie haben die Kollegen gemeint, ich würde das schon hinkriegen. Hab ich auch! War sehr spannend für mich, mir das Ganze auszudenken und dann auch noch zu moderieren. Am Schluss waren alle ganz entspannt. Ausser mir natürlich. Aber ich hab glücklicherweise andere Wege gefunden ... ;-)
Zur Belohnung haben sie mich zur Fachgruppensprecherin gewählt, und wollten mich auch noch als Ineressensvertretung vorschlagen.
Zur Belohnung haben sie mich zur Fachgruppensprecherin gewählt, und wollten mich auch noch als Ineressensvertretung vorschlagen.

Kollege Andi sucht verzweifelt nach Kandidaten für die Interessensvertretung
Aber da hab ich dann verweigert. Was zuviel ist ist zuviel! Will ja schliesslich nicht als Märtyrerin sterben, und vor allem nicht so bald!
Letzte Begenung mit M. unerfreulich und wie zu erwarten vollkommen ereignislos. Ich versteh selber nimmer, was ich mir da gedacht hab.

Unser Pärchen aus Kiunga, Pamela und Bernhard haben ein Wochenende in POM verbracht und einen Freund namens Jeff (arbeitet für UNHCR mit den Flüchtlingen aus Westpapua) mitgebracht. Nach einem gemütlichen Abendessen wurden wir auf dem Weg in den hiesigen Nachtclub Lamana an einer Strassensperre der Polizei angehalten. In der nun folgenden zwanzigminütigen mühsamen Diskussion ging es mir hauptsächlich darum, nicht auf die Polizeistation mitgenommen zu werden. Dem Officer hingegen ging es zuerst um die nicht angegurteten Passagiere auf dem Rücksitz, dann um die laut Sicherheitsplakette falsche Farbe meines Autos, danach um die Führerscheinklasse und schliesslich um ein Cola, das ich nächstes mal doch für ihn bereithalten sollte. Also ehrlich, die Bullen hier sind eine Katastrophe!
Nachdem wir also diese Begenung der dritten Art glücklicherweise unbeschadet hinter uns gebracht hatten, wurde im Lamana heftig das Tanzbein geschwungen und Jeff und ich haben auf Teufel komm raus geflirtet. Das hat nach der langen Dürre (sowohl meteorologisch als auch hormonell) wirklich gut getan. Und um sämtliche Vermutungen gleich von vorneherein ins rechte Licht zu rücken: wir hatten eine Gaudi und Jeff war am Heimweg sturzbesoffen. Auch an diesem Abend keine Unterbrechung des zölibatären Lebens der Sister Valerie!
Doch weil der Mensch sich ja irgendwann auch mal entspannen, austoben und verändern will, werd ich am 24. Dezember nach Brisbane und dann weiter nach Hervey Bay fliegen und meinen neuen alten Freund Jim besuchen. Er hat schon jede Menge Pläne für mich gemacht: Segeln, Surfen, Bushwalking, Shoppen, Irish Pub zu Silverster und das Beste: Skydiving! Ich glaub, ich werd mir vor Angst in die Hosen machen. Aber ich probiers!
Sonntag, 30. September 2007
Geschichten aus Bougainville
Urspruenglich wollte ich meinen Urlaub ja in Australien verbringen. Aber leider ist das Immigration Office in eine Art Dornroeschenschlaf gefallen und seit einem halben Jahr werden kaum noch Visa und Work Permits ausgestellt. Nun liegt mein Reisepass also bei meinem Chef in Mount Hagen und ich kann nicht ausreisen, weil die Verlaengerung meines Arbeitsvisums einfach nicht erledigt wird. Oder genauer gesagt, ich koennte zwar ausreisen, aber moeglicherweise nicht mehr einreisen. Nun ja, so habe ich eben beschlossen, den Urlaub gleich in Bougainville zu verbringen, wo ich ohnehin dienstlich hinreisen musste. Das war natuerlich insofern eine praktische Angelegenheit, weil dort gleich vier Kollegen von mir arbeiten. Einer davon scheidet zwar als Gastgeber grundsatzlich aus (manche werden sich vielleicht noch an einen gewissen Mario erinnern), aber die anderen drei haben sich sehr lieb um mich gekuemmert.
Zu Bougainville muss ich ein wenig ausholen: die autonome Region Bougainville gehoert zwar zum Staatsgebiet von Papua Neuguinea, hat aber seit der Beendigung des zehn Jahre andauernden Buergerkriegs einen Sonderstatus. Zehn Jahre nach Beendigung der Kaempfe ist immer noch eine gute Portion Spannung vorhanden. Die Infrastruktur auf der Insel ist fast voellig zerstoert. Fuer Touristen kein einfaches Terrain, aber da ich ja meine Leute dort habe (Carsten in Arawa und Alex in Koromira) war alles kein Problem. Fuer die desolaten Strassen, kein Telefon, keine öffentliche Stromversorgung, kaum Waren in den Geschaeften, kaum Uebernachtungsmoeglichkeiten, usw. entschaedigt allerdings eine Naturschoenheit, die wie das Best-of von ganz PNG anmutet.Wer sich, wie ich empfehle, noch ein wenig genauer mit Bougainville auseinandersetzen will, besonders in Bezug auf die politische Geschichte, kann zum Beispiel hier anfangen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bougainville
Zu Bougainville muss ich ein wenig ausholen: die autonome Region Bougainville gehoert zwar zum Staatsgebiet von Papua Neuguinea, hat aber seit der Beendigung des zehn Jahre andauernden Buergerkriegs einen Sonderstatus. Zehn Jahre nach Beendigung der Kaempfe ist immer noch eine gute Portion Spannung vorhanden. Die Infrastruktur auf der Insel ist fast voellig zerstoert. Fuer Touristen kein einfaches Terrain, aber da ich ja meine Leute dort habe (Carsten in Arawa und Alex in Koromira) war alles kein Problem. Fuer die desolaten Strassen, kein Telefon, keine öffentliche Stromversorgung, kaum Waren in den Geschaeften, kaum Uebernachtungsmoeglichkeiten, usw. entschaedigt allerdings eine Naturschoenheit, die wie das Best-of von ganz PNG anmutet.Wer sich, wie ich empfehle, noch ein wenig genauer mit Bougainville auseinandersetzen will, besonders in Bezug auf die politische Geschichte, kann zum Beispiel hier anfangen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bougainville

Im zweiten Weltkrieg waren hier die Japaner sehr umtriebig, daher gibts auch immer wieder mal Wracks von abgeschossenen Fliegern zu bewundern.
Wie ihr ja aus meinem letzten Bericht vor dem Urlaub wisst, begann dieser mit einer Abflugverschiebung von Samstag Nachmittag auf Sonntag frueh um 4:30. Das heisst ich war um 3 Uhr frueh am Flughafen, um mich eine Stunde lang beim Check-in anzustellen. Fast so wie wenn man in einen dieser billigen Urlaubscharter nach Griechenland oder Spanien einsteigt, die einen auch zu voellig unchristlichen Zeiten durch die Gegend jagen. Aber welche Strapazen nimmt der brave Werktaetige denn nicht gerne auf sich, um sich zu erholen?
Schoen und gut, ich wurde in Buka (das ist die kleine vorgelagerte Insel, auf der sich der Flughafen befindet, da der eigentliche Flughafen von Bougainville, Aropa, seit der Krise geschlossen ist) von Andi, meinem Kollegen abgeholt und fuersorglich bis Montag betreut. Dann hat er mich noch ueber die Passage zur Hauptinsel begleitet und in den PMV (public motor vehicle, das kann ein kleiner 10-sitziger Bus oder ein Lastwagen oder irgendwas dazwischen sein) gesetzt,
der mich dann ueber vier stunden lang auf desolatesten Strassen und durch mehrere kleine Fluesse hindurch nach Arawa (ehemaliger Zentralregierungssitz) brachte. Im Bild das ehemalige Regierungsviertel, inzwischen vom Dschungel zurueckerobert.
In Arawa arbeitet mein Kollege Carsten im Catholic Education Office als Finanzmanagement-Berater und Trainer. Bei ihm durfte ich vier Tage lang wohnen und habe die Zeit hauptsaechlich mit Schlafen in meiner Haengematte im Garten, Lesen und Spazierengehen verbracht. Ja und manchmal, wenn ich Gluck hatte, gabs auch Eis zu kaufen, was hier ein besonders beliebter Genuss ist.
Obwohl die meisten Gebaeude in Arawa immer noch aussehen, als waere die Krise gerade erst zu Ende gegangen, ist es hier, im Gegensatz zu Port Moresby, kein Problem, alleine auf der Strasse herumzuspazieren. Ich bin aber schon so daran gewoehnt, dass ich nur das allernoetigste auf der Strasse zu Fuß gehe (aus Sicherheitsgruenden, nicht aus Faulheit!), dass ich anfangs diese Freiheit gar nicht so recht nutzen konnte. Hat ein bissl gedauert, bis ich mich damit wieder wohl gefuehlt habe. Man wird mit der Zeit schon seltsam in diesem Land.
Weisse Frauen sind hier allerdings immer noch ein sehr, sehr seltener Anblick, und so wurde ich am Markt so sehr bestaunt und es wurde so viel hinter mir hergekichert, dass ich das Gefuehl hatte, dass sich fuer die Waren hier nur noch wenige interessierten.
Die Bewohner von Bougainville sind ethnisch naeher mit den Solomon Islanders als mit den Papua Niuginians verwandt. Hier findet man die schwaerzeste schwarze Hautfarbe der Welt. Es ist am Anfang schon sehr ungewohnt, wenn man in diese wirklich fast pechschwarzen Gesichter schaut. Das Weisse in den Augen tritt noch viel starker hervor, und die weissen Zahene, soferne sie nicht vom Betelnusskauen verschandelt sind, strahlen hervor wie ein Aufblendlicht an einem Lastwagen um Mitternacht. Bougainvillians sind deutlich selbstbewusster und stolzer als die meisten Menschen hier. Und sie sind auch offener und zugaenglicher. Und ausserdem sind sie, meiner Meinung nach, wesentlich huebscher und auch etwas groesser.

Auf dem weiteren Weg haben wir einen kleinen, und wie ich erst spaeter erfaheren habe wegen der immer noch anhaltenden Spannungen nicht ungefaehrlichen Abstecher auf den stillgelegten Flugplatz Aropa gemacht. Unwissentlich habe ich also ein paar ausgesprochen seltene Bilder machen koennen. Wenn ichs gewusst haette, haette ich mir wohl fast in die Hosen gemacht. Ich glaub, der Carsten hatte keine Ahnung, wie gefaehrlich das heatte werden koennen, wenn die Leute, die da die Hand drauf haben, uns erwischt haetten. Glucklicherweise war keine Menschenseele zu sehen.
Schliesslich sind wir dann aber doch heil und unversehrt in Koromira am Gelaende der Berufsschule angekommen, wo Alex wohnt und arbeitet. Seine Freundin Cathy stammt aus diesem Dorf und wird in etwas mehr als einem Jahr mit ihm nach Oesterreich gehen. Man stelle sich das mal vor: sie wird dann in Pflach, in Tirol, in der Naehe von Reutte leben. Sandstrand gegen Bergdorf. Das wird eine harte Nuss werden. Aber sie ist eine ganz Liebe und sehr offen. Ich wuensche den Beiden jedenfalls alles Gute dafuer.

Alex ist Tischler und macht hier den Projektkoordinator fuer das EU-Projekt, das sich den Aufbau und die Weiterentwicklung der Berufssschule zum Ziel gesetzt hat. Ich war sehr beeindruckt, wie gut hier alles laeuft und eingerichtet ist. Alex wird sehr respektiert und ist bei allen beliebt. Er redet perfekt Pidgin, dafuer hat sein Englisch eine starke tirolerische Faerbung.
Die Schueler wohnen ebenfalls auf dem Schulgelaende. Da sie aus allen Gegenden Bougainvilles kommen, waere das auch gar nicht anders moeglich. Manche muessen stunden- und tagelang zu Fuss gehen, um nach hause zu kommen. Die Jungs waren anfangs recht scheu, aber zum Schluss haben sie sogar ein kleines Singsing mit den traditionellen Bambusfloeten fuer mich veranstaltet.
Auf dem Weg konnte ich noch ein kleines hausgemachtes Wasserkraftwerk bestaunen, das ein Dorf mitten im Dschungel tagaus tagein mit Strom versorgt. Das ist ein Standard, von dem Port Moresby mit seinen taeglichen Stromausfaellen nur traeumen kann. Waehrend der Krise, als Bougainville vollkommen von der Aussenwelt abgeschnitten war, haben sich die Bewohner mit viel Erfindungsgabe auf die Situation eingestellt und ausschliesslich mit dem, was sie auf der Insel vorgefunden haben, ihre Infrastruktur aufrecht erhalten. So kam es zu diesen kleinen Hydro-Power-Stations, ausserdem haben sie Treibstoff aus Kokosnussoel erzeugt und viele Naturheilmittel verwendet, weil ja auch keine Medikamente mehr durchgekommen sind.
Als wir schliesslich am Wasserfall angekommen waren, fing eine ziemlich rutschige Kletterpartie an, bei der ich alle Haende voll zu tun hatte, um meine Kamera nicht noch einmal den Wassertod sterben zu lassen und natuerlich, um nicht selber abzurutschen. Die letzte und hoechste Stufe des Wasserfalls konnten wir nicht erklimmen, denn nach der Legende lebt in dem obersten Gumpen ein grosses blaues Etwas, das man nicht stoeren darf, ausser wenn jemand von den Aeltesten vom Dorf dabei ist, der oder die weiss, wie man mit dem Wesen Kontakt aufnimmt. Meine Begleiter haben zur Sicherheit unser Kommen und unser Gehen mit lauter Stimme im hiesigen Tok Ples (Sprache des jeweiligen Dorfes oder der Gegend) kundgetan. So war sichergestellt, dass die Geister oder das Wesen eben nicht gestoert oder verschreckt wurden und uns womoeglich Boeses wollen.
Bis uns endlich kalt wurde und wir patschnass den Abstieg angetreten haben.
Auf dem Heimweg wurde es schnell Dunkel und wir wurden von vielen leuchtenden Augen (Gluehwuermchen) aus dem Wald heraus beobachtet. Das sind nach dem Glauben der Menschen hier (und Cathy ist da keine Ausnahme) Geister, von Verstorbenen oder anderen Wesen, die aus irgendwelchen Gruenden nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht auch weil wir sie waehrend unserer Wanderung irgendwann gestoert haben koennten. Da hilft dann auch ein paar Satze im Tok Ples anzuwenden, um sicherzustellen, dass sie nicht als Feuerschweif auf uns zukommen und uns irgendwas antun.
Die Methode hat wiederum gut gewirkt, denn wir sind unbelaestigt und unversehrt zu hause angekommen.
Dort hat ein Fischer mich durch einen geschenkten Fisch von den Vorzuegen, ihn als Freund zu haben, ueberzeugen wollen. Ausserdem haette er, neben einer oesterreichischen Freundin gerne eine Yamaha-Gitarre, eine Digitalkamera und noch ein paar Kleinigkeiten. Ich hab ihm versprochen, sein Bild zu veroeffentlichen, um seine Chancen zu erhoehen. Also an alle Meadels, die noch zu haben sind und gerne was Exotisches haetten. Darf ich vorstellen: Matthias. Kleiner Wermutstropfen: er hat unter den Einheimischen den Ruf ein wenig seltsam zu sein und viel wirres Zeug zu reden.
Schweren Herzens bin ich nach meinen zwei Wochen wieder zureck nach Buka gefahren, nicht ohne noch ein kleines Missgeschick beobachten zu koennen, das bei Papua Niuginians immer grosse Erheiterung ausloest. Ein Traktor, der auf dem Anhaenger drei Maenner befoerderte, hat selbigen beim durchqueren des Flusses verloren.
Zurueck in Buka traf ich mich mit meiner Kollegin Lorena, um einen kurzen Ausflug zum Christmas Island zum Schnorcheln zu machen. Ein Kollege ihres Mannes, der in Buka fuer United Nations abeitet, hat uns dorthin gebracht. Auf der Insel hat er so etwas wie eine Naturperuecke gefunden, von der er sich gar nicht mehr trennen konnte. So sind wir sogar noch zu einer klassischen Gallionsfigur gekommen.
Zwei Tage waren dann noch der Arbeit in der Dioezese Buka gewidmet. Hier ein kleiner Schnappschuss einer Uebung zum Thema Kooperation, auf dem man sehr gut die vielen verschiedenen Hautfarben sieht, die man hier findet.
Die Unterkunft in der Dioezese, das sogenannte Transithaus hatte noch mit so mancher Ueberraschung aufzuwarten: Badezimmer und Toilette dreckig und uebelriechend, Essen unter jeder Kritik und schlussendlich noch irgendwelche Nager in meinem Zimmer, die begonnen haben, Loecher in meinen Koffer und meine Buecher zu fressen. Das war schlussendlich ausschlaggebend, dass ich trotz eines wunderschoenen Aufenthalts in Bougainville, doch gerne wieder nach hause geflogen bin.
Allerdings habe ich hier im Haus jetzt auch eine Maus entdeckt, was den sofortigen Ankauf einer Mausefalle zur Folge hatte. Unerfahren mit solchen Geraeten habe ich mir gleich zweimal den Daumen eingezwickt, der nun um 50% groesser und 100% bunter erstrahlt. Aber es tut nicht mehr weh.
Samstag, 8. September 2007
kurzes Update vor dem Urlaub
wie das eben so ist im „land of the unexpected“, wurde heute mein Flug in den Urlaub nach Bougainville gestrichen. Zum Trost hab ich mich mit einem Freund auf die Terrasse das luxurioesen Airways-Hotels begeben und mir den Bauch beim Lunchbuffet vollgeschlagen. Leckere Sushi, frischer Thunfisch, knackige Salate inklusive Sojabohnensprossen, Asianudeln und Nachspeisenbuffet! Jetzt kann ich mich natuerlich nicht mehr bewegen und sitze daher vor dem Computer um unverhofft meinen Blog mit Neuigkeiten zu fuettern. Heute
Nacht um 2 Uhr heisst es dann aufstehen und zum Flughafen, denn um unchristliche 4:30 soll der naechste Flug in meinen Urlaub angeblich abheben. Mal sehen...
Was gibts nun zu berichten? Tja ich schwanke zwischen sehr viel und sehr wenig. Natuerlich ist staendig irgendwas los, aber irgendwie kommt es mir oft schon so normal vor, dass ich schon gar nicht mehr weiss, ob es berichtenswert ist.
Nacht um 2 Uhr heisst es dann aufstehen und zum Flughafen, denn um unchristliche 4:30 soll der naechste Flug in meinen Urlaub angeblich abheben. Mal sehen...
Was gibts nun zu berichten? Tja ich schwanke zwischen sehr viel und sehr wenig. Natuerlich ist staendig irgendwas los, aber irgendwie kommt es mir oft schon so normal vor, dass ich schon gar nicht mehr weiss, ob es berichtenswert ist.
In Port Moresby haben sich neue Freizeitaktivitaeten aufgetan. Ich bin nun den Bushwalkers beigetreten. Das Rennen im Roadrunners Club hab ich aufgegeben. Die waren mir zu wettbewerbsorientiert. Oder anders gesagt, ich derschnauf es nicht. Mit den Bushwalkers komme ich sehr gut zurecht und zudem gibt es mir das Gefuehl, eine liebe Gewohnheit, das Wandern naemlich, weiterfuehren zu koennen. Also jeden zweiten Sonntag in die Bergschuhe und auf gehts. Da bekommt man auch mal was anderes zu sehen, als wenn man nur dauernd mit den Auto herumfaehrt. Der Anblick auf diesem Foto hat mir allerdings fast das Herz gebrochen. Schliesslich hatte ich auch mal so einen, und es war noch dazu mein allererster!
Die Wanderungen fuehren uns meist durch die umliegenden Doerfer und auf die Huegel (Berge sind es so nahe an Moresby dann doch noch nicht). Das Schwein ist in PNG von hohem Wert. Es ist Zahlungs- und Tauschmittel, wird als Brautpreis verwendet und bei Festen aller Art in rauen Mengen verspeist. Die Viecher laufen frei im Dorf herum, in trauter Eintracht mit den Dorfbewohnern.
Mit den ueblichen Verdaechtigen (sprich der bunten Expat-Gemeinde) tut sich auch immer wieder ein bissl was. Kuerzlich waren wir wieder im Varirata Nationalpark, diesmal aber mit mehr Wandern und weniger Essen, was uns allen ganz gut getan hat. Hier ein Gender-Unbalanced-Beweis: direkt neben mir steht Marion, die junge Franzoesin, mit der ich auch am Sepik war (falls ihr Euch nicht erinnert, das war die Geschichte mit den Krokodilmaennern).
Die Gute ist inzwischen wieder in Frankreich. Die Abschiedsparty war echt super. Bekleidungsvorschriften (Meriblaus fuer Maedchen, Peniskoecher fuer Buben) wurden zwer leider nicht von allen eingehalten, aber einzelne Mutige gab es doch. Hier nur ein Bilddokument, aber ein paar mehr absolut sehenswerte Fotos gibt es auf Marions Fotoalbum. Da koennt ihr zum Beispiel auch sehen, wie ich mit Klebeband den Rhythmus zu alten Gitarrenhadern mache.
http://picasaweb.google.com/marion.allet/PNGGoodbyeParty?authkey=euE5VXJbBaI
Zwischendurch war ich auch mal wieder unterwegs, im Hochland diesmal. Ein dreitaegiger Workshop mit dem Family Life Apostolate hat mich nach Goroka in ein pastorales Konferenzzentrum gefuehrt, das auch als „Sommerfrische“ fuer die frommen Brueder, Schwestern und Patres dient. Sehr idyllisch, und ein angenehmes Klima wie bei uns in einem warmen Fruehling.
Dementsprechend ist auch das Angebot auf dem Markt ein reichhaltigeres als in POM. An diesem Vormittag hat es zuvor geregnet, was den Besuch des Marktes zu einem gefaehrlich rutschigen Abenteuer gemacht hat. Und in dem Gatsch will nun wirklich niemand landen. Konnte diesen Test aber unfallfrei bestehen und hab mich ordentlich mit frischen Gemuese eingedeckt.
Und dann hab ich noch was anderes erstanden, das hoffentlich demnaechst bei meinen Toechtern in Graz eintreffen wird. Die Ware dieses Herrn im Bild sollte mit Father Luke, dem Direktor des Catechetical Liturgical Institute (fragts mich bitte nicht, was die machen), Ende September nach Oesterreich reisen. Wenn das tatsaechlich klappt, wird es fuer meine Maedels die erste Begenung mit einem waschechten Papua Niugini werden. Bin schon gespannt, was sie sagen werden...
Abonnieren
Posts (Atom)





