Sonntag, 29. Juli 2007

Zur Orientierung


Hier eine Landkarte, die Euch bei der Orientierung ein bissl helfen soll. Ist vielleicht zum runterladen und mitschauen ganz praktisch. Orte an denen ich bereits war:
Mount Hagen
Kiunga
Lae
Madang
Vanimo
Aitape
Wewak
Sepik

Neue Abenteuer, neue Freunde, neue Geschichten ...

Der Juli war ein bewegter Monat fuer mich. Viel reisen, viele neue Menschen kennenlernen, Abenteuer erleben und Eroberungen machen! Es gibt soooo viel zu erzaehlen. Ich empfehle, ab und zu einen Blick auf die Landkarte zu werfen...
Erst mal die kleinen Freuden des Alltags:
Das Gute an der Expat-Community in Port Moresby ist, dass sie sehr aktiv sind. Eigentlich findet sich immer jemand, der etwas organisiert, sodass wir regelmaessig unsere Hochsicherheitsbehausungen verlassen koennen. Es ist zwar nicht so, dass ich hier gar nicht alleine aus dem Haus gehen kann, aber es gibt in der Stadt definitiv nicht Vieles zu tun oder sehen, was man alleine ohne Vorbereitung tun kann. (zum Beispiel mach ich jetzt Yoga!) Da bin ich natuerlich von Wien noch sehr verwoehnt. Doch zum Gluck gibts eben diese „Events“.

(meine Freunde Dush und Dorothy)
Zum Beispiel die Beach-Party auf Manubada Island. Mit zwei Booten sind wir ca. 15 Leute eine halbe Stunde von Port Moresby zu dieser unbewohnten netten kleinen Insel mit Sandstrand und Korallenriff und Palmen (also bestens geeignet) aufgebrochen. Unmengen von Zeug, wie Griller, Kuehlboxen, Volleyballnetz, Schnorchel und Tauchausruestung, Campingsessel, und was der gemeine Entwicklungshelfer eben sonst so braucht auf grosse Fahrt (halbe Stunde) gegangen. Unter uns auch ein baumlanger, bierbaeuchiger Kolumbianer, der mit voller DJ-Ausruestung ausgestattet, fuer die notwendige musikalische Unterstuetzung gesorgt hat.
Dank der neu eingefuehrten Sitte, einmal pro Woche bei diversen Leuten Salsa-Uebungsabende abzuhalten, war ich der Herausforderung, Salsa am Sandstrand zu tanzen, voll gewachsen.


Eine Schulklasse, die denselben Ort fuer ihr Abschlussfest gewaehlt hatte, forderte uns zu einem Fussballmatch heraus, das wir, nicht nur aufgrund fehlender Regeln, natuerlich verloren haben. Alle haben die kleine Auszeit sehr genossen, denn Port Moresby schraenkt im taeglichen Leben den persoenlichen Aktionsradius doch sehr ein.
Leider hatte der Ausflug auch noch einen sehr unangenehmen Abschluss fuer mich persoenlich. Eine grosse Welle ist in unser Boot geschwappt und hat meine Digitalkamera und mein Handy zerstoert. Jetzt werd ich mal der Versicherung einen Brief schreiben mussen. Bloederweise ist das genau einen Tag vor meiner Abreise nach Vanimo, Aitape und Wewak, und schlimmer noch vor meinem dreitaegigen Ausflug auf den Sepik passiert. Darum stammen die Fotos von dieser Reise nicht aus meiner eigenen sondern aus drei verschiedenen anderen Kameras von KollegInnen und Freunden, mit denen ich unterwegs war.

Nun also zu meiner Reise ...

...vom nordwestlichen Ende die Kueste entlang nach Osten...
Erstmal vorweg: ich habe wirklich gerackert! 6 Workshops in 2 Wochen, das schlaucht ganz schoen, auch wenn man den Strand staendig vor der Nase hat.

Das erste Ziel war also Vanimo, im aeussersten nordwesten von PNG. Ein kleiner Ort an der indonesischen Grenze, zunehmend von internationalen Holzhandelsfirmen als lukrativer Ernteplatz genutzt, hat nach wie vor einen sehr provinziellen Charme. Da es keine Strassenverbindungen zu anderen Staedten des Landes gibt (das ist in PNG nicht ungewoehnlich), war meine einzige Moeglichkeit, hinzukommen, wieder einmal das Flugzeug. Fuer Besuche in den Doerfern im Busch hat die Dioezese eine eigene Fluglinie namens Dove-Air, die genau ein (1) Flugzeug besitzt! Der wahrscheinlich einzige Grund, warum Vanimo einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist das Surfen. In der Saison, ab Oktober, gibts hier angeblich ganz tolle Wellen, auf denen sich Surfer aus aller Welt tummeln.

Eine unerwartete Attraktion hat mir Father Tomy gezeigt. Wer haette an diesem abgelegenen Ort eine Bibliothek vermutet? Schwerpunkt ist, da im Besitz der Dioezese, Theologie und Philosophie.
Fuer mich persoenlich war Vanimo wegen einer besonderen Begegnung bemerkenswert. Ein ungefaehr 26 Jahre junger Mann, der urspruenglich Priester werden wollte, das aber aufgrund seines „Temperaments“, wie er selber sagt, nicht wirklich geschafft hat, war einer meiner Klienten im Mentoring. Nach dem Gespraech mit ihm, war mir klar, wo das Problem liegt. Und unsere spaetere Begegnung in Wewak gab mir recht. Die ziemlich direkte Frage: „Valerie, are you free?“ laesst wohl keine Zweifel mehr zu ... Es war jedenfalls ganz lustig, zu erleben, wie die „geheimen“ Annaeherungsversuche in dieser Kultur gehandhabt werden. Da wuerdet ihr alle aber Augen machen, wenn ich mit einem gescheiterten Prieser nach Hause kommen wuerde ;-) Aber keine Sorge, keine Ambitionen meinerseits!
Nach Vanimo gings dann gleich weiter Richtung Aitape. Da die Fluglinie Airlink derzeit Flugverbot hat (Flugzeugabsturz mit zwei toten Piloten, und damit verbundene Kompensationsforderung ueber 1 Million Kina = 250.000 Euro) mussten wir zuerst nach Wewak fliegen und dann mit einem Truck 5 Stunden wieder in die andere Richtung zurueckfahren um nach Aitape zu kommen. Solange man nicht hinten auf der Ladeflaeche sitzen muss, ist das kein grosses Problem. Und ich als weisse Frau hab da natuerlich alle Privilegien, und konnte vorne beim Fahrer mitfahren, was ich angesichts der hiesigen Starssenverhaeltnisse (90% der Strecke sind Staub-, Schlamm- und Schotterpiste) auch dankbar angenommen habe.

Die Fahrkuenste von Steven kann ich nur bewundern. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80km/h dahinzubrettern und trotzdem das Fahrzeug sicher im Griff zu haben, ist schon eine Leistung. Na und ausserdem gibt’s auch hier Sicherheitsgurte, die ich immer gerne benutze.

Die Strecke war ein tolles Erlebnis. Ueber Berge, durch Fluesse, vorbei an Klippen mit tollen Ausblicken auf die Kueste und durch kleine Buschdoerfer, zwischen Kindern, Hunden und Huehnern hindurch.

Steven hatte eine Kassette mit polnischem Hardrock im Wagen, was einen lustigen Kontrast zur Landschaft bildete.

Auf der Strecke mussten wir einen Schranken passieren und den Truck mit irgendeinem Gift abspruehen lassen. Damit soll das verschleppen einer grassierenden Parasitenkrankheit, die Kokospalmen befaellt, verhindert werden.

Endlich angekommen wurde ich bei den Franziskaner Schwestern einquartiert und durfte drei Tage lang Teil der Gemeinschaft sein. Ich war ziemlich beeindruckt, wie viel Spass die Damen miteinander haben. Gemeinsam kochen und essen, Volleyball spielen, Schwimmen gehen, ... mir war nie fad. Sollte ich irgendwann meine ohnehin nicht sonderlich geglueckten Versuche mit dem anderen Geschlecht aufgeben, waere das eine ganz gute Alternative ;-) Doch so weit bin ich, wie die naechsten Episoden zeigen werden, noch lange nicht.

Nach dem kleinen, sehr entspannten Aitape gings also wieder zurueck ueber Stock und Stein nach Wewak. Die Stadt ist deutlich groesser als die beiden vorherigen, aber immer noch klein fuer oesterreichische Verhaeltnisse. Dennoch ist ein Unterschied in der Atmosphaere zu spueren. Auf der Strasse sieht man gelegentlich Besoffene oder von zuviel anderen Substanzen beeintraechtigte Mannsbilder, die einen, wenn man nicht aufpasst, natuerlich auch in Schwierigkeiten bringen koennen. Aber mit ein bissl gesundem Hausverstand und Umsicht ist das kein Problem. Und das ist gut so, denn Wewak ist ein schoener Platz mit tollen Straenden, Palmen, ... na das wird ja wohl schon bald langweilig fuer Euch. Also genug damit.

(WorkshopteilnehmerInnen)
Da wir in Wewak einen grossen dreitaegigen Workshop mit Teilehmern aus der ganzen Momase Region (Vanimo, Aitape, Wewak, Madang, Lae) hatten, will ich Euch davon auch ein bissl erzeahlen. Das gibt einen guten Einblick in meine Arbeit und ihre Herausforderungen.

Am Anfang war die Panik. Wir hatten die Ambunti-Lodge als Austragungsort fuer unseren Workshop gewaehlt. Die telefonische Auskunft war: „Ja, wir haben einen Konferenzraum, der fuer einen Workshop geeignet ist.“ Was wir vorgefunden haben, war eine offene Holzkonstruktion, mit Dach aber ohne Waende, also nach allen Seiten und zum Strand hin offen. Das klingt vielleicht ganz nett, hat aber Folgen:

Wo befestige ich die Flipcharts? Wie verhindere ich, dass die Moderationskaertchen staendig weggeblasen werden? Was ist lauter, das Meeresrauschen oder die menschliche Stimme? Wie halte ich eine Powerpoint-Praesentation, wenn die Sonne heller ist als der Beamer? Wie halte ich streunende Hunde fern? Was hilft gegen Sandfloehe?...
Nach dieser Erfahrung kann ich glaube ich Workshops unter fast allen moeglichen und unmoeglichen Bedingungen abhalten. Mir hat das Improvisieren jedenfalls grossen Spass gemacht und ich hab wieder viel dazugelernt.
Trotz all der Arbeit blieb aber auch in Wewak ein wenig Zeit zum Verschnaufen. An einem freien Nachmittag habe ich im Garten der Airport-Lodge einen aelteren Herren kennengelernt, von dem ich Euch unbedingt erzaehlen muss. Dieser Australier war nach Jahren nach Wewak zurueckgekehrt, um die Asche seiner Frau an dem Ort zu verstreuen, wo sie gemeinsam gelebt haben. Am naechsten Tag hat er mich getroffen und mir eine Stunde spaeter einen Heiratsantrag gemacht. Das klingt wie ein Spass, ist aber sein voller Ernst.Emails, Anrufe, Geschenke, .. ich werde ueberhaeuft mit Aufmerksamkeit. Mein Widerstand war bisher weitgehend zwecklos. Er ist ein gescheiter und lieber Kerl und ich glaub, er kann ein guter Freund sein, wenn ich es schaffe, ihn vom Heiratsgedanken und aehnlichem abzubringen. Mal sehen...

Am SEPIK


Den Abschluss und die Kroenung meiner Reise bildete eine dreitaegige Bootstour am Sepik mit zwei Freunden. Marion arebitet fuer die franzoesische Botschaft und Gerimantas ist ein UN-Volunteer aus Litauen, den ihr schon aus meiner Anfangszeit in Moresby kennt. Wir hatten uns alles von einem Tourguide, Chris, arrangieren lassen.
Auftakt wieder einmal eine Fahrt ueber Stock und Stein bis nach Pagwi.

(Guide Chris in unserem Kanu)
Dort sind wir in ein Kanu (ein ausgehoehlter Baumstamm von ca. 7 bis 8 Metern Laenge) eingestiegen und losgefahren. Der Sepik ist ein schlammiger, traeger, breiter Fluss, der sich in hunderten Schlingen durch das Land zieht. Entlang des Flusses liegen kleine Doerfer, die viele Anthropologen und Ethnologen angezogen haben. Und das hat seinen Grund, denn was man hier zu sehen und zu hoeren kriegt, ist schon etwas Faszinierendes. Zur Orientierung koennt ihr euch die Website unseres Tour-Operators ansehen:
www.pngfrontieradventures.com

(Haus Tambaran Korogu, einstmals sehr schoen, inzwischen langsam verfallend)
Pflichtprogramm in jedem Dorf ist das Haus Tambaran, das eigentlich nur Maennern zugaenglich ist. Allerdings wird fuer Touristinnen fast immer eine Ausnahme gemacht.

Haus Tambaran treffen sich die Maenner sowohl fuer wichtige als auch fuer unwichtige Dinge. Die Initiation eines jungen Mannes oder einfach Geschichten erzeahlen, wichtige Entscheidungen treffen oder einfach ein Nickerchen machen, all das ist der Zweck vom Haus Tambaran.

Und ausserdem ist es der Ort, wo alle Artefakte aufbewahrt werden, viele davon auch zum Verkauf angeboten. Ich hab jetzt endlich auch was tolles fuer meine Wohnung gefunden.

(Guesthouse)
Geschichten erzaehlen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken. In dem Dorf Kanganamun, in dem wir zwei Naechte verbracht haben, hoeren wir von Luke, dem Cousin unseres Guides, herrliche lange, reich ausgeschmueckte Geschichten. Luke hat ein grosses schauspielerisches Talent und spielt ganze Dialoge nach. Es ist ein wundersames Schauspiel, das uns voll in seinen Bann zieht.

Diese Geschichten in der Daemmerung im Haus Tambaran zu hoeren, gibt dem Ganzen eine besondere Mystik und laesst alles noch geheimnisvoller und zauberhafter erscheinen. Ich lasse mich ganz und gar einsaugen in die Stimmung.

(Bild: Narbentaetowierung eines Krokodilmannes)
Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit stiegen wir noch einmal in unser Kanu und machten uns auf zur Krokodiljagd. Die Menschen hier haben eine besondere Beziehung zu Krokodilen. Junge Maenner, die initiiert werden, lassen sich am Ruecken, auf den Oberarmen und auf der Brust in einem vierwoechigen schmerzhaften Prozess Narbentaetowierungen machen, die die Haut des Krokodils nachahmen. Auch Chris, unser Guide, hat solche Taetowierungen, vermied aber, sie herzuzeigen. Allerdings verhalf mir der Umstand, dass er ein wenig mit mir flirtete, in dieser Nacht auf dem Kanu zu einem kurzen Blick darauf und einer fluechtigen Beruehrung. Alles ungemein romantisch und aufregend. Das Krokodil, das wir gefangen haben, war noch ein Baby und wird nun im Dorf mit anderen Krokodilen grossgezogen.

Am zweiten Tag waren wir in Aibom, das wegen seiner Toepferwaren bekannt ist. Die Frauen haben fuer uns den ganzen Ablauf zur Schau gestellt, vom Mischen der Erde ...

Uebers Formen und Verzieren, ...

Und Trocknen ... (wer bestaunt da eigentlich wen?)

Bis zum Brennen ...

Und schliesslich haben sie uns noch gezeigt, wie man Sago-Fladen macht. Und wir haben sie auch ganz brav gegessen. Man kann sich das so ungefaehr vorstellen wie eine Mischung aus salzlosem Teigfladen mit Kaugummikonsitenz im Inneren.

und dann in Chambri. Das liegt am Ufer der Chambri-Lakes, es gibt jede Menge Schnitzereien und Skulpturen (einer der Kuenstler)

und ein Museum, das seit 5 Jahren in Bau ist, ebenso wie das neue Haus Tambaran.

Schweren Herzens sind wir am dritten Tag wieder zurueckgefahren nach Pagwi, von wo uns der Truck wieder nach Wewak zurueckbrachte. Selten war ich so dreckig, so verschwitzt und so selig zugleich. Eines steht fest: wer auch immer mich besuchen kommt, muss mit mir zum Sepik fahren!