Sonntag, 24. Juni 2007

Wieder in KIUNGA

Auf einer Dienstreise letzte Woche habe ich wieder meine Buschkollegen Pamela und Bernhard in Kiunga besucht. Da man dort recht eingeschraenkte Einkaufsmoeglichkeiten hat, haben sie mir vorab ihre Wunschliste geschickt: Sauerrahm, Roggenmehl, Aepfel, Kaese, Philadelphia. Mit solchen Dingen kann man Oesterreicher hier wirklich gluecklich machen ;-)
Die Beiden arbeiten sehr erfolgreich in einem Sozialprojekt fuer nicht anerkannte Fluechtlinge aus Westpapua.

Dazu muessen sie auch immer wieder mal mit dem Patrol-Boot den Fly River rauf oder runter fahren. Diesmal bin ich auch in den Genuss einer solchen Bootsfahrt gekommen, auf der uns die Kinder des Bootsfahrers begleitet haben.

Der Junior schien aber ein wenig skeptisch zu sein. Wenn das Ganze mit Wasser schoepfen beginnt, kann man schon mal nachdenklich werden: Ob ich mit denen wirklich mitfahren soll ?

Schliesslich ist der junge Mann aber doch in aller Gelassenheit mitgekommen. Ob seine Schwester allerdings den Ausflug wirklich genossen hat ... ? Mir hats jedenfalls gefallen.


Den Eindruck von ueppiger Vegetation, unendlich vielen Schttierungen von Gruen und der allgegenwaertigen Natur in einem Foto zu vermitteln, ist fast unmoeglich. Aber ich probiers trotzdem. Die Schoenheiten dieses Ausflugs koennt ihr hier bewundern



Besonders interessant finde ich, wie die Menschen hier ganz nahe am Fluss leben, der Wasserstandsunterschiede von mehreren Metern aufweisen kann. Die wenigen Haeuser, die einen Anschluss an eine Wasserleitung haben, muessen bei Hochwasser unter das Haus tauchen und ihre Behaelter fest an den Wasserhahn pressen, um sie zu fuellen. Und um einander zu besuchen faehrt man natuerlich mit dem Kanu von Haus zu Haus.

Dass der Ort Kiunga jedoch ueberhaupt in dieser Groesse und Form existiert, haengt mit der beruehmt beruechtigten Ok Tedi Kupfer- und Goldmine zusammen, die leider auch fuer schwere Schaeden in der Umwelt und im Sozialgefuege verantwortlich ist. Wie sind bei unserem Ausflug flussaufwaerts gefahren. Flussabwaerts sind die Verschmutzungen so verheerend, dass man sogar aus der Luft vom Fluzeug aus das Ausmass der Katastrophe erkennen kann. (Probiert mal Google Earth, Kiunga liegt ziemlich genau in der Mitte der Grenzlinie zu Indonesien, West Papua; Der Fly muesste unuebersehbar sein). Der Fluss ist eine graue Kloake, die Baeume sterben ab, ... Zwei Welten treffen unmittelbar aufeinander.

Ausserdem treiben hier auch noch auslaendische Firmen ihr Unwesen, die mit Tropenholz satte Gewinne machen. Zum Transport benutzen sie grosse Schiffe, die solche Anlegestellen notwendig machen. Die Menschen hier haben recht wenig von den Rohstoffen, die aus dem Land geschafft werden. Die zustaendigen Regierungsbeamten sorgen in erster Line dafuer, dass sie selber bei den Vertraegen mit den grossen Firmen gut aussteigen. Den Leuten wird oft eingeredet, dass der Staat ihr Land fuer eine aufstrebende Wirtschaft braucht. Die angebotene Kompensation spekuliert mit der mangelnden Bildung der Menschen und ist dementsprechend fast immer viel zu gering.

Was macht die ARBEIT?

Der Grund meiner Reise nach Kiunga war unser Mentoring Programm, das ich entwickelt habe. Und so passt es an dieser Stelle vielleicht ganz gut, mal ein bissl was ueber meinen Job zu erzaehlen:

Also wie ihr ja alle wisst, arbeite ich in der Katholischen Bischofskonferenz. Meine Aufgabe ist es, als Beraterin ein Programm zu betreuen, das Church Institutional Strengthening Program heisst. Das Ziel ist, die Faehigkeiten der Mitarbeiter in der Kirche (Dioezese, Pfarre, kirchliche Sozial-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen) im Bereich Finanzmanagement und Administration zu verbessern und dadurch die einzige ueber lange Zeit funktionierende Struktur in diesem Land zu unterstuetzen. Und ich kann euch sagen, da gibt es jede Menge Arbeit.
In erster Linie arbeite ich mit Robert, dem Programmkoordinator zusammen. Fuer ihn soll ich auch eine Mentorin sein, denn wenn ich nach zwei Jahren weg bin, muss er den Laden wieder alleine schmeissen und sich hoffentlich etwas von mir abgeschaut haben. Mittlerweile sind wir in unserer Arbeitsbeziehung auch an einem Punkt angelangt, wo das moeglich ist. In den ersten drei Monaten war ich so sehr damit beschaeftigt, hier meinen Platz zu finden, dass der Transfer kaum stattgefunden hat. Das und ein auch aus Oesterreich altbekanntes Phaenomen waren anfaenglich schwer zu knackende Kopfnuesse: in der Branche nennt man das „Information hiding“. Anscheinend hat auch mein Counterpart diese merkwuerdige Krankheit, die jeden zu befallen scheint, der in seiner Position unsicher ist. Aber es wird immer besser!

Unsere Aufgabe: Wir zerbrechen uns den Kopf darueber, was die Leute fuer eine Art der Foerderung brauchen. Das koennen Kurse sein, die wir organisieren. Oder wir gestalten Workshops, in denen Leute zusammenkommen, und gemeinsam nach Loesungen suchen.

Oder ich mache, wie es zur Zeit mit meinem Chef passiert, ein personal Coaching. Da gehts dann um einen Reflexionsprozess, in dem er seine Situation analysieren und Klarheit darueber gewinnen soll, wie die zukuenftige Entwicklung gestaltet werden kann. Auf dem Foto seht ihr in im Gespraech mit Hedai, unserem Fuhrparkverantwortlichen. Daneben ist Sister Helen, die „national christian education secretary“, die im Buero gegenueber von meinem arbeitet.

Ausserdem gehoert es zu unseren Aufgaben, die 19 Dioezesen des Landes zu besuchen, dort Monitoring und Evaluierung des laufenden Programms aber auch Mentoring fuer die verantwortlichen Schluesselkraefte zu machen. Hier seht ihr mich mal in voller Aktion beim moderieren eines Workshops.
Ich finde den Job total spannend. Ich kann so ziemlich alles, was ich in den letzten 15 Jahren gelernt habe, verwenden. Ich habe ja das „menscheln“ in Organisationen in der Praxis recht ausfiehrlich erlebt. Und in den vielen Weiterbildungen der letzten Jahre hab ich auch gelernt, das wirre Zeug zu verstehen, das da oft passiert. Jetzt muss ich all das wieder hervorkramen, kann vieles ausprobieren und stelle fest, dass ich doch ganz schoen viel kann. Und das tut dem Berufsego natuerlich sehr gut. Die Rueckmeldungen von allen Seiten sind sehr ermutigend. Darueber freu ich mich natuerlich besonders.

Dass mein Arbeitsumfeld ein ungewohntes ist, vor allem im Hinblick auf die klerikale Seite, liegt auf der Hand. Die Religion wird sehr ernst genommen, Priester und Ordensleute werden mit einem fast schon unterwuerfigen Respekt behandelt. Meistens zumindest. Dem Bischof von Kerema ist es passiert, dass sie ihn aus dem Bus aussteigen haben lassen, weil er keine Betelnuesse im Gepaeck hatte, und daher nicht oberste Prioritaet auf der Wichtigkeitsliste der Busfahrer nach Moresby hatte.
Als mein Chef aus Rom zurueckkam und seine Papstfotos herzeigte, waren alle ganz fasziniert. (vlnr: Damien, Chef der Handwerker; Emanuel, Buchhaltung; Fredy, Reinigungskraft und mein Lieblingskollege; ein Handwerker und Sylvester, der „national catholic education secretary“ sowas wie das Pendant zum Bildungsminister auf Seite der Kirche)

Ab und zu hab ich auch Verpflichtungen, wie zum Beispiel den Besuch der Messe zur Installation des neuen Coadjutor Bischofs von Port Moresby. Das heisst, er wird dem bereits ziemlich alten australischen Bischof, der naechstes Jahr in Pension geht, nachfolgen. Der Nikolaus rechts im Bild ist der amtierende, der in der Mitte mit der traditionellen Gesichtsbemalung und dem Federbusch am Bischofshut ist der zukuenftige.

Bei solchen Gelegenheiten wird den Traditionen immer viel Raum gegeben. An diesem Tag waren gleich drei Gruppen von Taenzern aus verschiedenen Regionen da.

Manchmal sieht man auch im oeffentlichen Raum traditionelle Malereien, wie hier an einer Hauswand. Die Qualitaet ist sehr unterschiedlich. Der Stil den man am haeufigsten antrifft, wuerden wir vermutlich unter naive Malerei einordnen. Aber so recht wollen unsere Kunstbegriffe hier eben doch nicht passen.

... und dann gibts auch noch WOCHENENDEN



Nun noch ein wenig zum Privatleben, das schliesslich doch noch ein bissl existiert. Die letzten Ausfluege haben mich nach Gaire und in den Nationalpark Varirata gefuehrt. Gaire ist ein kleiner Ort an der Kueste etwa 40 Autominuten von Moresby entfernt. Das Besondere ist der fast schwarze Strand. So was hatte ich bisher noch nicht gesehen und es brauchte eine Weile, bis ich den Reiz entdeckte. Aber wie die Fotos hoffentlich bewisen, ist es mir schliesslich doch gelungen.

Der Nationalpark Varirata liegt etwa eine Autostunde von Moresby entfernt in den Bergen (fuer oesterreichische Verhaeltnisse eher etwas hoehere Huegel). Meine neugewonnen Freunde haben mich zu diesem Ausflug eingeladen, der von der Sri Lankan Association organisiert war. Im Bild der Blick zurueck auf Moresby aus dem Sorgeri Tal gesehen.
Nun werdet ihr euch sicher fragen: Was hat sie mit Sri Lanka zu tun? Nun ein lieber Kollege hat mir Dorothy vorgestellt. Sie ist eine Einheimische und mit Dush verheiratet. Ebendieser stammt aus Sri Lanka, lebt allerdings seit seiner Jugend in PNG. Er ist Projektmanager bei einer hiesigen IT-Firma, was uns natuerlich sofort verbunden hat ;-) Die zwei sind also meine neuen Freunde, ganz besonders liebe Menschen und haben mich ein Stueckchen in ihre Familie aufgenommen.

Sie sind uebrigens auch dafuer verantwortlich, dass ein junger Mann mein Herz erobert hat. Darf ich vorstellen: Roshan, 2 Jahre alt!

Da die Karawane aus 9 Autos bestand, und so ziemlich alle Sri Lankans, die es in Moresby gibt, mit von der Partie waren, wurde auch eine Polizeieskorte organisiert (private Kontakte und kleine Zuwendungen machens moeglich).

Der Ausflug war fuer alle die Moeglichkeit, sich mal entspannt in freier Natur zu amuesieren...

... oder anderen Neigungen nachzugehen (Tamil Tiger!)

Bei mir zu hause gibts neue Mitbewohner. Nur kurzfristig zu Gast war wieder mal eine ziemlich grosse Spinne, diesmal aber ohne behaarte Beine.

Und meine verrueckten Nachbarn (James, der Brite, links und Erik, der Hollaender, rechts) haben beschlossen, sich zwei Hasen zu halten, die nun in diesem Kaefig so lange ihr Leben fristen werden, bis Kaisel, der Security Guard seinen Appetit nicht mehr zuegeln kann, und sie verspeist. Bis dahin werden sie von den Jungs mit teurem importiertem Gemuese gefuettert. Na ja, jedem Tierchen sein Plaisierchen.