Donnerstag, 6. März 2008

Goroka und mehr...

Da ich nun am Samstag schon wieder unterwegs sein werde und noch ein paar Geschichten von Jänner ausständig sind, muss ich das noch schnell nachholen, bevor die Neuigkeiten sich selbst überholen.

Also der Reihe nach:

Im Jänner war ich drei Wochen lang Teilnehmerin in einem Cultural Orientation Course des Melanesischen Instituts in Goroka (eastern highlands province). Das ist ein ökumenisches Forschungsinstitut, das sich mit Kulturwissenschaftlichen Themen, Soziologie und anderen gescheiten Dingen in Melanesien beschäftigt.

Der Kurs war für Leute aus aller Welt gedacht, die für eine der Kirchen in PNG arbeiten. Also genau das Richtige für mich, dachte mein Chef, Father Nick, und schickte mich dorthin.
Nach meinem Studium in Krems, meinem Vorbereitungskurs bei HORIZONT3000 und einem Jahr Erfahrung in PNG war mir zwar das Meiste nicht ganz neu, aber es war doch interessant, noch einiges Neues zu hören über Hexen, Aberglauben, Auffassung von Politik, etc. Das Beste war aber die bunte Gesellschaft, die ich in angenehmem Frühlingsklima geniessen durfte. Alles war da vertreten: Angola, Bangladesh, Korea, Indien, Indonesien, Kiribati, Kroatien, Deutschland, Brasilien, Philippinen, Australien und natürlich ÖSTERREICH, vertreten duch mich persönlich. Und ich hab dafür gesorgt, dass uns keiner mehr mit Australien verwechselt.

Wie mir das gelungen ist? Zuerst natürlich einmal mit unserem sprichwörtlichen Charme (war ja sogar als schützenswertes Kulturgut bei der UNESCO vorgeschlagen worden). Die nächste Geheimwaffe, die ich eingesetzt habe war – no na – was Süßes. Ich muß allerdings gestehen, daß ich tatkräftige Unterstützung von Kroatien hatte.

Father Ivica, der auf den Solomon Islands seinen Dienst tut, fühlte sich mir aus historischen Gründen sehr verbunden. Darum haben wir gemeinsam Marillenknödel und Kaiserschmarrn gekocht und dem Rest der Welt die süßen K&K-Genüsse vor Augen bzw. zum Mund geführt.

Und weil uns das noch nicht genug war, haben wir beim Kulturabend das gute alte Märchen von Sissi und Franzl aus der Schublade geholt, uns entsprechend aufgedonnert und dem begeisterten Publikum einen Walzer vorgeführt. Einziges Problem waren die Luftballons, mit denen ich mein kaiserliches Gewand ausstopfen musste. Die Dinger sind zum Gaudium aller immer wieder aus dem Ausschnitt herausgequollen. Also insgesamt eine voll gelungene Performance.

Natürlich waren wir nicht die einzigen, die ihre Kultur präsentiert haben. Alle haben sich gehörig ins Zeug gelegt. Schwester Rita aus Bangladesh hatte sogar ihr wunderhübsches Gewand dabei ...

... und Schwester Teretia aus Kiribati zeigte mit Unterstützung von Father Itzo aus Indonesien einen ihrer traditionellen Tänze. Der gute Itzo hatte vom vielen Hüftschwingen hinterher Kreuzschmerzen, aber das war schnell wieder vergessen, ...

... denn er ist eigentlich immer zu irgendwelchen Scherzen aufgelegt. In diesem Gemälde am Museum von Goroka hat er offensichtlich einen neuen Freund gefunden. Das Museum ist zwar klein aber sehenswert...

... mit seiner Sammlung an Sepik-Schnitzereien und...

... Bilums (traditionelle Umhängetaschen).

Natürlich waren die meisten TeilnehmerInnen Priester, Mönche oder Nonnen. Father Ivica wurde eingeladen, eine Messe für eine kleine Gemeinde am Rande von Goroka zu halten, die keine Kirche haben. Also hat man sich einfach im Hof der Schule versammelt, ein paar Kisten mit einem Tuch abgedeckt und mit Blumen geschmückt (fertig ist der Altar) und die Gitarre mitgebracht. Improvisation ist hier die Norm.

Der jüngste Kirchgänger war auch der hübscheste...

Neben dem Kurs war auch ein wenig Zeit, die Gegend zu erkunden. Das Hochland ist berühmt für seinen fruchtbaren Boden.

Überall findet man Gärten und die Hochländer sind die besten Gärtner, die man sich vorstellen kann.

Außerdem gibt es hier auch eine der wenigen Universitäten und eine Bibliothek, die mit japanischem Geld erst vor wenigen Jahren neu gebaut wurde. Bücher gibts zwar noch nicht viele, aber aussehen tut es toll.

Nach dem Kurs hab ich noch einige Tage mit den MitarbeiterInnen der Diözese Goroka gearbeitet. Hier sieht man eine Übung aus meinem Workshop, die man „Blinde führen“ nennt. Bemerkenswert immer wieder wie die Leute in die Workshops kommen. An diesem Tag war das Schuhwerk besonders beeindruckend. Einmal Gummistiefel...

... ein andermal „panierte“ Sportschuhe. Äusserlichkeiten zählen wirklich sehr wenig. Kürzlich hab ich in Port Moresby sogar jemanden gesehen, der eine Männerunterhose (das klassische weisse Feinripp-Modell mit Eingriff) als Kopfbedeckung getragen hat. Leider hatte ich meine Kamera grade nicht dabei.

Um vielleicht noch ein Licht auf die Kirchenmänner und –frauen in diesem Land zu werfen: an meinem letzten Abend in Goroka wurde ich vom Generalvikar der Diözese zu einem Filmabend eingeladen. Die anderen Gäste waren der Bischof, ein Priester und eine Nonne, und der Film war Monty Python’s „Leben des Brian“. Der Bischof hat sich am meisten zerkugelt...

Inzwischen bin ich wieder in Port Moresby. Der gute Itzo hat mich besucht und mir nach einem Vorfall mit einem Besoffenen moralischen Beistand geleistet. Ansonsten war es ein netter unbeschwerter Tag. Wir bekamen sogar eine Rarität zu Gesicht: dieser Herr hat offenbar einen Dudelsack und die Kunst ihn zu spielen aus der Kolonialzeit herübergerettet.