Montag, 20. Juli 2009

Leben in Togo


Endlich bin ich in mein Haus eingezogen. Ich bin total stolz auf die kleine Villa.

Vorläufig fahre ich mit dem Projektauto durch die Gegend. Ein bissl groß ist er schon, aber man gewöhnt sich dran.

Eine neue Frisur hab ich mir auch verpassen lassen, zumindest für ein paar Wochen, denn es ist alles nur Lug und Trug...

der jedoch immerhin 4 Stunden zu seiner Entstehung gebraucht hat. Und ich habe mir geschworen: nie wieder! Die Sache tut nämlich ganz schön weh.

Hier ist grade Regenzeit, und weil der Präsident und seine Regierung sich damit begnügen, eine mehrspurige Autobahn mit Weihnachtsbeleuchtung zum Präsidentenpalast hin zu bauen, und gleich nebenan ganze Straßenzüge mangels Kanalisation im Wasser und mangels jeglicher sonstiger Infrastruktur nachts im Dunkeln versinken, sieht man derzeit überall solche Bilder...

Um die Not dürfte es auch auf diesem Bild gehen, allerdings ist das Problem ein wenig anders gelagert („Es ist verboten entlang dieser Mauer Kaka zu machen – Strafe 16 Euro + Prügel“)

Die Arbeit führt mich regelmäßig in die Provinzen, hier zum Beispiel das nette Städtchen Kpalimé,

dessen Bezirkshauptmann weder die desolaten Straßen direkt vor seiner Nase noch die üblen Gerüche im Amtshaus direkt unter seiner Nase wahrzunehmen scheint.

Doch all das tut dem liebenswürdigen Charme Togos und vor allem seiner Bewohner keinen Abbruch. Ich fühl mich wohl, die Arbeit macht Spaß.

Donnerstag, 14. Mai 2009

AFRIKA! Willkommen in meiner neuen Welt!

Als ich vor mehr als 2 Jahren nach Papua Neuguinea gereist bin, hatte ich noch keine Ahnung, dass ich von dort auf fast direktem Wege den Kontinent besuchen werde, den ich bisher als einzigen in meinem Leben noch nicht betreten hatte. Und jetzt hat er mich schon voll in seinen Bann gezogen. Voller Widersprüche, Reichtum neben Armut, Schönheit neben Abstoßendem, Herzlichkeit neben Aggression, finde ich mich in einer anderen Welt, die mir in einem Moment so vertraut erscheint, um im nächsten Augenblick schon wieder vollkommen fremd und unverständlich zu werden.
Ich weiß, man sollte nicht dauernd Vergleiche anstellen, aber ganz unwillkürlich drängen sich mir Parallelen und Unterschiede zu Papua Neuguinea auf. Ich hoffe, dass ich mich bald von diesen Vergleichen lösen können werde, aber im Moment sind sie mir noch eine Hilfe, um, mehr mich selbst als meine Erlebnisse hier, irgendwo einordnen zu können. Natürlich gibt es so etwas wie „Afrika“ als etwas Einheitliches, das man generell beschreiben könnte, nicht. Dieses Licht ist mir auch schon aufgegangen. Schon meine Eindrücke von Dakar, Senegal sind total verschieden von jenen in Lomé, Togo. Und das was man in Europa durch die Medien von Afrika zu sehen und zu hören bekommt, ist so etwas von nicht repräsentativ, dass es schon fast weh tut.
Doch eins nach dem Anderen. Begonnen hat meine Reise mit einem zweiwöchigen Aufenthalt in Dakar, der Hauptstadt des Senegal, um am Institut Francais mein Französisch nach 25 jähriger Brache wieder in die Gänge bzw. auf meine Zunge zu kriegen. Außerdem hatte dieser Zwischenstop den Vorteil, dass ich mich diesem Kontinent in Etappen nähern konnte, zumindest klimatisch betrachtet, denn Dakar hat um diese Jahreszeit ein angenehmes, in etwa einem warmen, aber nicht allzu heißen österreichischen Sommer entsprechendes Klima mit Temperaturen zwischen 20 und 27 Grad.
Das einzig Unangenehme in Dakar ist der Flughafen, wo man nach Ankunft sofort von einem Haufen Männern bedrängt wird, und man ist sich die ganze Zeit nicht im Klaren, ob sie einem das Gepäck klauen oder tragen helfen wollen. Aber sicher ist, dass sie sich davon Geld versprechen.

Dakar hat in etwa 3 Millionen Einwohner (so genau scheint das niemand sagen zu können), wovon nach meiner Wahrnehmung etwa die Hälfte versucht sich mit dem Verkauf von allem Möglichen – von Telefonkarten bis Kunsthandwerk – über Wasser zu halten.
Man hat den Eindruck, dass es mehr Verkäufer als Kunden gibt. Die Strassen sind voller Trubel, Verkehr, Geschäftigkeit. Es ist ein durchaus herausforderndes Unterfangen, zu Fuß irgendeinen Ort ein paar Blöcke weiter erreichen zu wollen, aber immer noch besser, als im Auto im Verkehr stecken zu bleiben. Und vor allem: man kann dies auch relativ gefahrlos tun, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. (na ja, auf die Geldbörse sollte man schon aufpassen, aber das muss man auch in Wien!)
Dakar hat eine besondere Stellung in der Geschichte Westafrikas, denn es war einer der wichtigsten Umschlagplätze im Sklavenhandel. Fast jeder, der nach Dakar kommt, fährt hinaus auf die Insel La Gorée, wo noch ein sogenanntes Sklavenhaus steht, sozusagen das „Warenlager“ der Sklavenhändler.

Ähnlich wie in Österreich, wo Schulklassen nach Mauthausen fahren, um sich mit den Schrecklichkeiten unserer Geschichte auseinander zu setzen, so kommen auch hierher die Schüler mit ihren Lehrern, um „in den Rückspiegel zu sehen, damit man vorne keinen Unfall baut“ (Zitat des Lehrers).
Auf diese Insel hat mich mein Französischlehrer, ein ganz liebenswürdiger senegalesischer Professor in den Sechzigern, begleitet. Seine langjährigen französischen Kollegen sagen über ihn, dass sie noch nie auch nur einen einzigen Fehler in seinem Französisch gehört haben, obwohl das gar nicht seine Muttersprache ist. Seine private Büchersammlung umfasst 3000 Exemplare, und sein Wissen geht noch weit darüber hinaus. Kurzum: Er war einfach super!
Mein zweiter Lehrer, ein junger Franzose, hat mich zu sich nach Hause eingeladen und seinem senegalesischen Schwiegervater vorgestellt, einem Mitarbeiter im Forschungsministerium, der schon mehr von Europa gesehen hat als ich selbst, und der gerade erst von einer Mission aus Togo zurückgekehrt war. Also ein besonders interessanter und auch ein sehr sympathischer Gesprächspartner für mich.

Und grade als ich mich in Dakar eingelebt hatte, war es auch schon wieder Zeit, weiterzuziehen, meinem endgültigen Ziel entgegen: Lomé – Togo!

Début au TOGO

Am 2. Mai bin ich in Lomé mit nur einer Stunde Verspätung angekommen. Am Flughafen wartete schon mein Empfangskomitee:
Erstens mein neuer Chef, Pater Eloi, der Generalsekretär der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, für die ich die nächsten 3 Jahre arbeiten werde. Zweitens seine Sekretärin Odile. Drittens der Chauffeur Fo-Koffi, was so viel heißt wie „großer Bruder Koffi“, und das passt auch genau zu ihm. Und schließlich Danica, meine deutsche Kollegin, die hier ebenfalls 3 Jahre zubringen wird, in ihrem Fall in einer Frauenrechtsorganisation, die in vielen Ländern Westafrikas Zweigstellen hat.

Schon am Sonntag haben Danica und ich uns gemeinsam mit Ursina, einer Schweizerin, die für den Deutschen Entwicklungsdienst arbeitet, auf den Weg ins nächste Dorf am Strand gemacht.


Also raus aus meinem Hotel, rein ins nächste Taxi (nicht ohne vorhergehende harte Preisverhandlungen ;-) und rein ins Abenteuer. Leider ist es nicht so einfach, hier einen Platz zum Schwimmen zu finden, weil die Strömung sehr stark ist. Aber da es irgendwann einmal eine Küstenstraße gegeben hat, die mittlerweile ein paar Meter vom Strand entfernt vom Meer erobert wurde, haben sich dazwischen an einigen Stellen künstliche Buchten gebildet, die geschützt genug sind, um auch mal plantschen zu können.
Am Rückweg sind wir dann auf ein Moto-Taxi umgestiegen. Es gibt hier haufenweise junge Burschen, die einen für wenig Geld auf dem Rücksitz ihres Motorrads überall hinkutschieren. Eine ordentliche Nase voller Abgase inbegriffen. Aber trotzdem lustig.

Schon am dritten Tag war ich auf meiner ersten Dienstreise, gleich 650 km ganz hinauf in den Norden des Landes bis zur Grenze zu Burkina Faso. So habe ich also schon einen Querschnitt durch das ganze Land gesehen und finde es sehr schön, unerwartet grün und reizvoll.
In Dapaong, der nördlichsten Diözese des Landes habe ich dann zum ersten mal meine zwei neuen Arbeitskollegen kennen gelernt, mit denen ich die nächsten 3 Jahre zusammenarbeiten werde. Ein Volltreffer! So was von herzlich, gut drauf, engagiert und voller Humor hab ich noch selten getroffen. Das kann ja heiter werden, im besten Sinne des Wortes.

Nun will ich Euch also das Team vorstellen:

Olivier ist Jurist und leitet das Projekt, mit dem ich hauptsächlich zu tun haben werde. Er ist ein blitzgescheiter, gebildeter Menschenrechtsaktivist mit viel Feingefühl und diplomatischem Geschick. Nebenbei auch noch ein perfekter Gentleman, immer mit einem Lächeln auf den Lippen.

Isidore ist Soziologe, Meister des geschickten sprachlichen Ausdrucks und viel Erfahrung. Und sein Charme würde ganze Gletscher zum schmelzen bringen, wenn es sie hier gäbe.
Vom ersten Augenblick an hatten wir drei einen guten Draht zueinander. Ich fühl mich, als ob ich eine von den drei Musketieren wäre ;-)

Besonders nett finde ich Fo-Koffi, den Fahrer. Er hat so eine angenehm gelassene Art, ein richtiger Teddybär.
Odile, die Sekretärin, kümmert sich darum, dass ich mich hier zurechtfinde. Das ist wirklich angenehm, denn es gibt dann doch so manches, was ich mit meinen zwei Gefährten Olivier und Isidore nicht unbedingt besprechen möchte...

Und schließlich meine Chef, Pater Eloi, ein würdiger älterer Herr, der – wie ich mir habe sagen lassen – froh ist, dass sein Team weiß, was es zu tun hat.

Diese Woche war das togolesische Fernsehen für ein Interview mit ihm da. Wegen der im nächsten Jahr bevorstehenden Präsidentschaftswahlen ist das mediale Interesse am Thema Gerechtigkeit und Frieden doch recht groß. Nicht zuletzt, weil die nationale Versöhnungskommission den größten Teil ihrer Arbeit noch vor sich hat, und das tunlichst noch vor den Wahlen erledigen sollte, damit es nicht wieder zu Unruhen wie 2005 kommt.

So weit also mein erster Bericht aus Togo. Fortsetzung folgt...